Palau Güell
Nou de la Rambla 3-5

Auf der Grundfläche von nur 18 mal 22 Metern entstand Anfang des 20. Jahrhunderts eines der ersten emblematischen Bauwerke Antonio Gaudís (1852-1926) im Auftrag des reichen Geschäftsmannes und späteren Grafen Eusebi Güell i Bacigalupi (1846-1918). Dies war der Anfang einer langjährigen Zusammenarbeit der beiden Katalanen; später sollten dann als weitere Früchte dieser Verbindung unter anderem der Park Güell und die Colónia Güell entstehen.

Fassade - Palau Güell

Fassade - Palau Güell

Als Gaudí 1885 den Auftrag zum Bau dieses Stadtpalais im Raval-Viertel erhielt, war dessen Bauende pünktlich zur Weltausstellung von 1888 vorgesehen – so wie es auch auf der Fassade des Gebäudes bestätigt wird. Tatsächlich wurde das Gebäude, das als Gesamtkunstwerk inklusive Inneneinrichtung ganz im wagnerianischen Geist entstand, erst 1890 vollendet. Dafür kann es aber von sich behaupten, das einzige von Gaudís Bauwerken zu sein, das dieser auch komplett fertig gestellt hat und dem Architekten zu internationaler Bekanntheit verhalf.

Kuppel - Palau Güell

Kuppel - Palau Güell

Der Palast wurde nicht nur als Wohnhaus genutzt, sondern sollte dem großbürgerlichen Güell als repräsentativer Rahmen dienen. Er wurde mit einer aufregenden Mischung aus historisierenden Elementen und Neuerfindungen des jungen Architekten entworfen, wie dem für ihn so emblematischen parabolischen Bogen. Herzstück des Palastes ist der über drei Etagen reichende zentrale Salon, der in 17,5 m Höhe von einer lichtperforierten Kuppel gekrönt ist. Eusebi Güell, Mäzen und Salonier, nutzte diesen sakral anmutenden Raum für intime Momente, wie dem Gebet, zu dem der Familienaltar in einer Wandnische ausgeklappt werden konnte. Vor allem aber gewann er Bedeutung für Güells literarische und musikalische Zusammenkünfte, an der die intellektuelle Oberschicht und auch Gaudí teilhatten. Gaudí platzierte die von ihm selbst entworfene Orgel für den Wagnerianer Güell auf einer der oberen Galerien dieses Hauptsalons und verstärkte damit noch die an einen Kirchenraum erinnernde mythische Wirkung.

Schnitt - Palau Güell

Schnitt - Palau Güell

Dieser zentrale Raum wurde von Gaudí programmatisch an einer imaginären Achse zwischen Kellergewölbe und Turm ausgerichtet. Die Axis Mundis spannt sich von der Unterwelt der Pferdestallungen mit ihren massiven tragenden Säulen über die Eingangshalle und den Hauptsalon bis hinauf zu der wie ein Sternenfirmament angelegten Hängekuppel. Hoch oben, unsichtbar für Hausbewohner und Passanten, krönt Gaudí den Palau mit 18 individuellen Kaminen, die bereits als Vorstudien zu seinem Lebenswerk, der Sagrada Familia, gelten können, an deren Bau er bereits seit 1883 arbeitete.

Helix - Rampe Untergeschoß - Palau Güell

Helix - Rampe Untergeschoß - Palau Güell

Trotz seiner hochwertigen Baustoffe, der kunsthandwerklichen Ausführung und seiner langjährigen Nutzung durch die Familie Güell wurde nach dem offiziellen Gaudí-Jahr 2002 schließlich eine grundlegende Restaurierung des Gebäudes notwendig. Basierend auf Materialstudien und der Untersuchung Gaudís statischer Auslegung tritt die Restaurierung des seit 1984 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannten Gaudí-Werkes nun in seine letzte Phase ein. Die damit verbundene vorübergehende Schließung wird noch bis zum 26. Mai 2011 andauern. Den Termin sollte man sich also schon mal im Kalender vormerken!

Ein Kommentar zu “Restaurierung des Palau Güell bis Mai 2011”

  1. […] Mehr zum Palau Güell hier. […]

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