Allein diese Woche öffneten auf der iberischen Halbinsel mindestens neun neue Museen und Kulturzentren ihre Türen: einige wurden nach Um- und Anbauten wiedereröffnet, andere entstanden neu. Warum diese Fülle in so kurzer Zeit? Nur bis Dienstag, den 29. März können die Bürgermeister noch die Früchte ihrer Regierungszeit eröffnen – dann beginnt offiziell der Wahlkampf für die Kommunalwahlen am 22. Mai.

Aus dem Museo Pablo Serrano in Zaragoza wurde am 23. März das Instituto Aragonés de Arte y Cultura Contemporánea Pablo Serrano – IAACC,das nun über eine Gesamtfläche von 7000 m2 statt zuvor 2500 m2 verfügt und die aragonesische Kunst und Kultur hegen und pflegen soll.

In Malaga wurde am 24. März das Museo Carmen Thyssen aus der Taufe gehoben.  Der Palacio Villalón aus dem 16. Jahrhundert ist die neue Hülle für circa 230 Leihgaben der Baronin, mit Schwerpunkt auf die spanische Kunst des 19. Jahrhunderts. Viele dieser Schätze, wie Gemälde von Zurbarán, Sorolla, Zuloaga und Romero de Torres, kommen direkt aus den privaten Wohnräumen der Sammlerin und sind nun für jedermann zugänglich. Des Weiteren sind schon drei Wechselausstellungen allein in diesem Jahr programmiert.

MACA steht nun für das Museo de Arte Contemporáneo de Alicante und beherbergt verschiedene private Sammlungen zeitgenössischer Kunst. Beim Bau des Museums wurde etappenweise vorgegangen, nachdem die vorgesehenen Kosten von 7,1 Mio. Euro auf stolze 12 Mio. Euro anstiegen. Bereits im Mai 2010, dann im Dezember des gleichen Jahres und nun am 22. März 2011 wurden Teilebereiche des Museums eröffnet.

Extremadura bekommt mit dem Bürger- und Kulturzentrum Embarcadero in Cáceres ein neues attraktives Gebäude, das am 23. März eröffnet wurde. Die von den Architekten Nieto Sobejano umgebaute Industriehalle bietet Ausstellungsfächen, Veranstaltungsräume, eine Bioklima-Argentur, Büros für verschiedenen Bürgerinitiativen, eine öffentliche Bibliothek und andere Nutzungsmöglichkeiten. Tägliches Programm soll es dort geben: Workshops, Kurse, Lesungen, Ausstellungen und anderes sollen das Gebäude mit Leben füllen und der Region ein soziokulturelles Ventil verschaffen.

Nach fünfjährigem Dornröschenschlaf kann man seit dem 24. März auch das staatliche Museo del Greco in Toledo wieder in seinen nun erweiterten und umgebauten Räumlichkeiten besuchen. Im ehemaligen Wohnsitz des Greco-Mäzens, dem Marqués de la Vega-Inclán, und dem Erweiterungsbau widmet es sich nun wieder den klassischen Museumsaufgaben: dem Sammeln, Bewahren, Vermitteln und Forschen in Verbindung mit dem großen Meister des 16./17. Jahrhunderts.

In Barcelona sind zwei neue Museen entstanden, die bereits vorhandene Gebäude umnutzen. Am 24. März eröffnete in der Altstadt das Museu d’Idees i Invents, gegründet vom Erfinder und Kreativen Pep Torres. Neben einer festen Ausstellung über Erfindungen verfügt dieses aus Privatinitiative entstandene Haus auch über eine Bibliothek und einen Raum für Wechselausstellungen und lockt sogar mit einer „WC-Experience“ – einem für Erfinder einfach wichtigem Örtchen.
Am 26. März zieht das neue Museum der Naturwissenschaften in das emblematische blaue Edifici Fòrum von Herzog & Meuron ein, das seit seiner Entstehung 2004 im Zusammenhang mit dem Forum Universal der Kulturen mehr schlecht als recht genutzt wurde. Die Sammlung, die 132 Jahre Entstehungsgeschichte und 3 Millionen Exponate vorzuweise hat, kann sich nun auf 9.000 m2 entfalten und soll das Forumsgelände neu beleben.

Gerade eingeweiht wurde am 26. März das Centro Cultural Internacional Oscar Niemeyer in Avilés. Der brasilianische Stararchitekt, der 1989 mit dem Principe de Asturias – Preis ausgezeichnet wurde, machte den Entwurf zu diesem atemberaubenden Gebäude der Stiftung Principe de Asturias anlässlich ihres 25 jährigen Bestehens im Jahre 2005 zum Geschenk. Das Zentrum verfügt über eine Konzerthalle, Ausstellungsräume, Kinos, Konferenzsäle und einen großen Vorplatz, der während Woody Allens Eröffnungskonzert circa 10.000 Zuschauern Platz bot. Die asturianische Industriestadt erhofft sich nun von ihrer neuen Architekturikone, in deren Bau die Regionalregierung 44 Mio. Euro investierte, einen Guggenheim-Effekt.

Eine der letzten Eröffnungen findet am Montag des 27. März ebenfalls im Norden Spaniens statt. Dann wird, sozusagen auf den letzten Drücker, in San Sebastian das Museo San Telmo nach fünfjähriger Schließung wiedereröffnet. Auf der Internetseite des Museums ist einen Tag zuvor von der Eröffnung noch keine Rede. Der Erweiterungsbau der Architekten Nieto Sobejano sowie die Renovierung des historischen Gebäudes, einem Dominikanerkloster aus dem 16. Jahrhundert, sollen ähnlich wie das IAACC dem ehemals klassischen Museum nun Raum für seinen neuen Status als ein multidisziplinäres Kunst- und Kulturzentrum geben.

In der gleichen Stadt wurde gerade Chillida Leku für die Öffentlichkeit geschlossen. Das wunderbare Museum, das in einem Caserío (traditionelles baskisches Wohnhaus) und dem ihm umgebenden Park die Arbeiten von Eduardo Chillida zeigte, kann nicht mehr von Chillidas Erben Unterhalten werden; die Mitarbeiter wurden daraufhin entlassen. Eine Einigung über öffentliche Unterstützung kam nicht zustande.

Zu hoffen bleibt, dass im krisengeschüttelten Spanien eben genau der Unterhalt aller dieser wunderbaren neuen Museen und Kulturstätten gesichert bleibt und nun nach den Wahlen kein Museumsterben einsetzt. Brüsten können sich die Honorationen in den nächsten Wochen mit ihren “Juwelen” – zu Beweisen gilt es aber in der Zukunft, das auch nachhaltiges Denken ihre Politik bestimmt. Die Wähler lassen sich nicht mehr so einfach täuschen. Hoffentlich.

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben