Per Laberints – Through Labyrinths // bis 09.01.2011 // CCCB
im Anschluss: 04.02. bis 29.05.2011 // Centro Cultural Bancaja, Valencia

CCCB – Centre de Cultura Contemporània de Barcelona
Centro Cultural Bancaja, Valencia

Das CCCB bietet in dieser kulturhistorischen Ausstellung über Labyrinthe reichlich Material, um sich mit den Aspekten von Herkunft und Mythen sowie des Umgangs mit diesem Thema in der abendländischen Kultur auseinanderzusetzen.

Bereits vor Betreten des Gebäudes kann man im Pati de les Dones bei sonnigem Wetter ein Schattenlabyrinth auf dem Boden abschreiten. Auch in der Ausstellung läuft man dank einer geschickten Inszenierung buchstäblich “Durch Labyrinthe”, wie der Titel bereits verspricht.

Der erste Teil der Schau beschäftigt sich mit der ältesten Form des Labyrinths: denkt man bei dem Begriff spontan an einen Irrgarten mit Um- und Abwegen, so war das Labyrinth ursprünglich nicht irreführend. Es leitete einen ganz im Gegenteil auf einem einzigen Weg mit vielen Windungen unbeirrbar auf ein verborgenes Zentrum hin. Ein Labyrinth ist demnach der Weg zwischen zwei Punkten, wobei auf kleinstem Raum ein möglichst langer Weg zurückgelegt wird. Die Ausstellungsmacher Ramon Espelt und Oscar Tusquets führen einen zunächst durch ein solches unikursales Labyrinth, eingefasst durch niedrige Holzvitrinen und durch ein geschwungenes Lichtband unter der Decke geleitet.

Hier werden die Ursprünge und die berühmtesten Vertreter dieser Labyrinthe präsentiert. Die Ausstellungsmacher greifen nicht nur auf Texte und Schautafeln zurück. Das Wissen wird durch Fingerlabyrinthe, Grafiken, Animationen, Videos und durch ein großes Bodenlabyrinth erfahrbar. Letzteres dient dazu, die Ursprünge des Labyrinthes, die in Ritualen früher Kulturen wie den Minoern auf Kreta lagen, besser zu verstehen: so dienten Labyrinthe u.a. als Tanz-Partituren für Gruppenrituale in Knossos und als Hilfslinien für Bewegungsmeditation. Das älteste und berühmteste Labyrinth ist das kretische Minotaurus-Labyrinth und kann bis ins 3. vorchristliche Jahrtausend zurückdatiert werden.
Im 9. und 10. Jahrhundert fand das Labyrinth seinen Eingang in die christliche Kultur. So waren die begehbaren Bodenlabyrinthe der Kathedralen von Armiens, Reims und Chartre eine Art Pilgerweg, die als Ziel die Erlösung versprachen. Hier werden auch Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern wie Robert Morris und Richard Long, die sich vom monokursalen Labyrinth inspirieren lassen, gezeigt.
Die Bedeutung des Labyrinthes für den Tanz seit den Anfängen bis in die heutige Zeit sowie das minotaurische Labyrinthe stehen im Mittelpunkt des nächsten Raumes und schließen das Kapitel des unikursalen Labyrinthes ab.

Der Faden der Ariadne wird nötig, wenn es sich wie im Folgenden um multikursale Labyrinthe handelt. Diese Form des Irrweges wird erstmalig als Zeichnung in dem Manuskript „Bellicum Instrumentum“ des venezianischen Arztes Giovanni Fontana im Jahr 1420 erwähnt.

 Die Ausstellungsarchitektur hat sich nun dem Irrgarten angepasst: Gartenlabyrinthen nachempfundene hohe Hecken versperren die Sicht auf Nachbargänge und verhindern den zuvor noch möglichen „Überblick“. Das grüne Lichtband über jedem Gang führt genauso in Sackgassen wie durch den Hauptweg. So gerät man an Kreuzungen und Sackgassen, muss sich auf seine Orientierung verlassen – oder man betrachtet die omnipräsenten Notausgang-Piktogramme, die das Spiel der Ausstellungsarchitektur von Tusquet ein bisschen verderben. So nehmen die Beispiele aus dem Gartenbau auch einen guten Teil dieses Bereiches ein. Bei den vorgestellten Irrgärten, die ihre Blüte im 16. – 18. Jahrhunderts erlebten, fehlt auch das Labyrinth aus Horta nicht. Das Lustwandeln kann also in die freie Natur verlegt werden.

Information zum Labyrinth von Horta:
Wikipedia
BCN.cat
Videosfrombarcelona.com

Als Intermezzo dient ein weiterer Irrgarten-Typus mit hohem Unterhaltungswert: Ein Spiegellabyrinth, das mit seinen oktagonalen Grundformen auf Entwürfen des Genies Leonardo da Vinci beruht. Wie im Spiegelkabinett eines Jahrmarktes sieht man sich kaleidoskopartig doppelt und dreifach und verliert dabei jegliche räumliche Orientierung.
In diesem komplexen und größten Teil der Ausstellung werden auch zeitgenössische Labyrinthe aus Kunst und Literatur präsentiert. Schriftsteller und Künstler wie Jorge Luis Borges, Friedrich Dürrenmatt, Josep Maria Subirachs und Lika Mutal erwarten den Besucher hinter der nächsten Wegbiegung. So öffnen die Sackgassen Fenster in Künstler- und Denkwelten.

Ausführliches zu Labyrinthen:
ZDF-TerraX
blogmymaze

Video zur Ausstellung:

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