Rita McBride. Oferta pública – Öffentliche Ausschreibung // 19.05.2012 – 24.09.2012
Gordon Matta-Clark. Office Baroque Portofolio // 07.06.2012 – 21.10.2012
Museu d’Art Contemporani de Barcelona – MACBA
Plaça dels Àngels, 1
www.macba.cat

Wände müssen weichen, Abdeckungen und Türöffnungen werden entfernt. In einem künstlerischen Dialog mit dem Gebäude entkernt Rita McBride die zweite Etage des MACBA und stellt dabei den von Richard Meier einst geplanten Originalzustand von 1995 wieder her. Durch diesen Eingriff tritt die Amerikanerin in einen Diskurs mit dem Ausstellungsraum, der selbst zur Skulptur wird. Diesen Ursprungszustand kann man noch in der Dokumentation im Ausstellungskatalog nachempfinden, denn die Künstlerin geht danach einen Schritt weiter und bespielt den „white cube“ mit ihren Skulpturen und Objekten.

Arena – Blind Dates mit Kunst und Musik

In einem der so entkernten Räume platziert die an der Düsseldorfer Kunstakademie lehrende Professorin ihre Installation „Arena“(1997), die aus Modulen in beliebiger Größe zusammengesteckt werden kann. Das MACBA programmiert hier während der Ausstellungsdauer „blind date“ Konferenzen,  die dem musealen Ausstellungsstück zu einer Funktion verhelfen und es somit in das interessante Spannungsfeld zwischen Kunst und Gebrauchsgegenstand stellen.

Post Moderne schaut auf Moderne

Direkt daneben zitiert sie Elemente des Eingangsbereiches der Villa Savoye, einer Ikone der Moderne, die der Schweizer Architekt Le Corbusier 1929 bis 1931 ganz nach seiner Theorie der „Fünf Punkten zu einer neuen Architektur“ gestaltete. In McBrides kritischer Auseinandersetzung mit der Moderne trifft man immer wieder auf Le Corbusier als ihren Stellvertreter.  Das Wohngebäude, von Le Corbusier als funktionelle Wohnmaschine verstanden, steht auf Stützen und dient im Erdgeschoss vor allem als Eingangszone und Stellplatz für das Auto. Dies zitiert McBride mit Säulen, der Doppel-Helix-Treppe aus Ratansitzen, Rohren aus edlem Carrara-Marmor und einem angedeuteten Grundriss mit der für das Haus so typischen Rampe. Doch dieser Grundriss wird durch die Museumswand in zwei Teile geschnitten.

Skulptur als sezierte Architektur

Passend zu diesem Schnitt McBrides zeigt das MACBA eine Etage darunter die Fotografien der building cuts von Gordon Matta-Clark. Bei Office Baroque (1977) schnitt er zwei Halbkreise in ein Bürogebäude hinein und verwandelte es durch diesen Eingriff selbst in ein Kunstwerk. Der Name ist ein Wortspiel mit Office Broke und damit eine Anspielung auf das Zerbrechen des Kapitalismus.
Betrachtet man die Skulpturen der Villa Savoye-Gruppe, so spürt man ebenfalls einen Widerspruch. Die in das Ensemble integrierte Skulptur eines Parkhauses, auf Pfeiler und Rampen reduziert und somit der Funktion des Erdgeschosses der Villa Savoye entsprechend, führt das Scheitern der sozialen und ästhetischen Idealen der modernen Architektur klar vor Augen. Die von Le Corbusier und seinen Architektenkollegen angestrebten Utopie, singulär umgesetzt in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung, fiel schlussendlich dem ökonomischen Diktat zum Opfer und führte stattdessen zum Bau unmenschlicher Hochhausvierteln.

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