Brangulí. Barcelona 1909-1945 // 07.07.-06.11.2011 (verlängert)

CCCB – Centre de Cultura Contemporània de Barcelona
C/ Montalegre 5, 08001 Barcelona
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Der Katalane Josep Brangulí Soler (1879-1945) war einer der ersten Fotoreporter im Barcelona des frühen 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Kollegen wie Alexandre Merletti (1860-1943) und Carlos Pérez de Rozas (1883-1954) dokumentierten er und später seine Söhne Joaquim Brangulí i Claramunt (1913-1991) und Xavier Brangulí i Claramunt (1918-1986) unter dem “Markennamen” Brangulí die sozialen und politischen Entwicklungen der Stadt, sowie ihre architektonische Transformation.

Diesem Fotografen widmet die Fundación Telefónica in Zusammenarbeit mit dem Arxiu Nacional de Catalunya, erstmals eine umfangreiche Präsentation von 300 Arbeiten aus seinem bedeutenden Werk.

Den Besucher erwartet eine elegante  „klassische“ Fotoausstellung, die sich auf die Fotoarbeiten konzentriert und nur wenige darüber hinausgehenden Exponate und Erklärungen bietet. Die gerahmten Fotografien werden lediglich mit einigen Presseausweisen und der einen oder anderen Originalzeitung ergänzt.

Die Kuratoren Valentín Vallhonrat und Rafael Levenfeld übernehmen in der Präsentation die thematische Struktur des Archivs Brangulí, das 1992 in das Arxiu Nacional de Catalunya aufgenommen wurde. Die Fotos sind, ganz der arbeitsweise Brangulís entsprechend, in Serien gehängt und ihre ästhetische Kraft und technische Qualität überzeugen.

Erwähnenswert sind besonders die historisch interessanten Fotos zur Semana Trágica (1909), zur Weltausstellung (1929), zum Gefangenenaustausch im 2. Weltkrieg (1943/44), aus der zweiten Spanischen Republik (1931-1936/1939) und zur Abreise spanischer Gastarbeiter nach Deutschland (1941).

Bei diesen anspruchsvollen Themen bleibt der Besucher jedoch mit den Fotos und deren Bildunterschriften auf sich gestellt. So gehen interessante Zeugnisse der Zeitgeschichte in der großen Anzahl von Brangulís ästhetischer Arbeiten unter. Denn auch die weiteren Themenbereiche, wie der Alltag der Barcelonesen in Fabriken, am Strand, sowie in den Geschäften und die Stadt selbst mit ihrer aufregenden Architektur – seien es Museen, Sportanlagen und andere urbanistische Transformationen, wie die Entstehung der Via Laitana, – sind an sich schon spannend genug.

Unklar bleibt auch, aus welchem Antrieb die spannenden sozialen Reportagen Brangulís entstanden.  Er dokumentiert die uns heute ferne Welt der Fabrikarbeiter im Zeitalter der Industrialisierung oder porträtiert die Bewohner des Barackenviertels Somorrostro am Strand der Barceloneta mit ihren Geschichten.

So erscheint Brangulí über seine Reportertätigkeit hinaus auch ein kritischer Zeitgeist gewesen zu sein. Dieser Hintergrund kommt leider in der ansonsten sehr sehenswerten Ausstellung zu kurz.

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